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Christian Thomasius
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Christian Thomasius *1655 †1728
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Biografie [TOP]
1655   geboren am 1. Januar in Leipzig als Sohn des Philosophen Jakob Thomasius, Lehrer von Leibniz. Schon sehr früh Studium von Physik, Mathematik, Geschichte und Philosophie an der Leipziger Universität
1671   Baccalaureus.
1672   Magister der Philosophie. Zu der Zeit erschien S. Pufendorfs "Jus naturae et gentium", dessen von der Leipziger Orthodoxie verworfenen Ideen er logisch nichts entgegen zu setzen wußte. In seiner Jugendlichkeit eher an seinem Verstand, denn an seinen Lehrern zweifelnd, wandte er sich den Rechtswissenschaften zu, die für sein ganzes Leben sein Beruf werden sollten.
1675   Wechsel an die Frankfurter Universität Viadrina. Th. gab schon bald selbst juristische Vorlesungen.
1679   Erwerb des Dr. jur. Das Studium Pufendorfs "Apologia" ist wie eine Offenbarung für Th. Als begabter und wohlerzogener Professorensohn und Professuranwärter ist er nach Frankfurt gezogen - als Rationalist und Aufklärer, kampflustig und siegvertrauend verläßt er es. Nach einer kurzen Reise nach Holland zieht er nach Leipzig. Hier arbeitet er vorwiegend als Verteidiger in Kriminalfällen und hält Privatvorlesungen.
1684   Th. legt sich mit der gesamten Gelehrtenschaft Deutschlands an, wettert gegen Pedantismus, Scholastik, Orthodoxie, Buchstabenwissen und Geisteserstarrung. Mitgerissen folgt die Leipziger akademische Jugend, dann ganz Norddeutschland seinem Kampf. In einer Dissertation über Bigamie stellt er diese nach extremsten Naturrecht, damit über Pufendorf hinausgehend, als erlaubt hin.
1687   Es erscheint Thomasius' Lehrbuch des Naturrechtes.
1688-1689   Herausgabe einer Monatsschrift in deutscher Sprache, Vorläufer des Skandaljournalismus.
1690   Nachdem er sich alle und jeden zum Feind gemachte hat, verläßt er seine Vaterstadt Leipzig und zieht nach Halle. Hier begründet er mit seinen Vorlesungen die juristische Fakultät.
1694   Als Erfolg seiner Bemühungen wird die Universität Halle feierlich-förmlich gegründet.
1699   In dem Werk "Summarischer Entwurf der Grundregeln, die einem studioso juris zu wissen nöthig" versammelt Th. seine juristischen Anschauungen.
1701   Im November erscheint sein "De crimine magiae", in dem er nicht nur der Beweisbarkeit, sondern letztendlich die Möglichkeit des Teufelsbündnisses verwirft. Die Abschaffung aller Hexenprozesse wird gefordert.
1708   Th. führt im Privatrecht einen Kampf gegen die Gültigkeit des Römischen Rechtes in Deutschland. Die Einsicht in die Bedeutung des heimischen Rechtes überträgt er in seiner in diesem Jahr erscheinenden Schrift " Selecta Feudalia" auch auf das Feudalrecht, später auch auf Staats- und Strafrecht.
1710   Ordinarius der juristischen Fakultät der Universität Halle.
1728   Christian Thomasius stirbt am 23. September in Halle.

Quellen [TOP]
  1. Allgemeine Deutsche Biographie. - München; Leipzig. 1912 (Band 56: Generalregister)
  2. Allgemeines Gelehrten-Lexicon : Darinne die Gelehrten aller Stände ... vom Anfange der Welt bis auf ietzige Zeit ... Nach ihrer Geburt, Leben, ... Schrifften aus den glaubwürdigsten Scribenten in alphabetischer Ordnung beschrieben werden / Jöcher, Christian Gottlieb. - Leipzig. - 1750-51 (4 Bde)
  3. Historisch-kritische Nachrichten von verstorbenen Gelehrten und deren Schriften / Dunkel, Johann Gottlob Wilhelm. - Köthen; Dessau. - 1753-60 (3 Bde in 12 Stücken mit Anh)
  4. Historisch-literarisches Handbuch berühmter und denkwürdiger Personen, welche in dem 18. Jahrhundert gestorben sind. - Leipzig. - 1794-1815 (17 Bde)
  5. Kurzgefaßtes Lexikon deutscher pseudonymer Schriftsteller von der ältern bis auf die jüngste Zeit aus allen Fächern der Wissenschaften / Raßmann, Friedrich. - Leipzig. - 1830
  6. Wetzer und Welte's Kirchenlexikon oder Encyklopädie der katholischen Theologie und ihrer Hülfswissenschaften : 2. Aufl., begonnen v. Joseph Cardinal Hergenröther, fortgesetzt v. Franz Kaulen. - 2. Aufl. - Freiburg i. Br. - 1882-1903 (Bd. 1-12, Register)
  7. Real-Encyclopädie für protestantische Theologie und Kirche. - Leipzig. - 1896-1913 (3. Aufl. Bd. 1-24)
  8. Dreihundert berühmte Deutsche : Bildnisse in Holzschnitt und Lebensbeschreibungen / Klinkicht, Moritz; Siebert, Karl. - Stuttgart. - 1912
  9. Handwörterbuch der Staatswissenschaften. - Jena. - 1923-1929 (4. Aufl., 8 Bände, Ergänzungsbd)
  10. Deutsche Männer : 200 Bildnisse u. Lebensbeschreibungen. - Berlin. - 1938
  11. Lexikon für Theologie und Kirche. - 2. Aufl. - Freiburg i. Br. - 1930-1938 (Bd. 1-10)
  12. Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte. - München. - 1953
  13. Mitteldeutsche Köpfe : Lebensbilder aus einem Jahrtausend. - Frankfurt (Main). - 1959
  14. Die Religion in Geschichte und Gegenwart : Handwörterbuch für Theologie u. Religionswissenschaft. - Tübingen. - 1957-1965 (3. Aufl., 6 Bde)
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